Flexibler Schulanfang

Seit 1994 werden an unserer Schule in den ersten beiden Schuljahren keine Jahr-gangsklassen, sondern jahrgangsüber-greifende Lerngruppen gebildet. Sie werden Stammgruppen genannt. In jeder Stammgruppe befinden sich Kinder, die unterschiedlich lange in der Schule und unterschiedlich alt sind.

Zu Beginn jedes Schuljahres und zu Beginn des 2. Halbjahres werden Kinder neu in die Stammgruppe aufgenommen. Am Ende jedes Schuljahres verlässt ein Teil der Kinder die Gruppe und wechselt in die Klasse 3.

Dieses Konzept ist inzwischen im Hessischen Schulgesetz unter der Bezeichnung Flexibler Schulanfang verankert und  zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  •  Alle Kinder werden eingeschult; es gibt keine Zurückstellungen.
  • Die Klassen 1 und 2 werden jahrgangsgemischt zusammengefasst.
  • In den jahrgangsgemischten Eingangsklassen arbeitet eine Sozialpädagogin mit.
  • Ein zweiter Einschulungstermin ist möglich (01.02.).
  • In den jahrgangsgemischten Eingangsklassen ist kürzere und längere Verweildauer möglich.

Wir haben uns aus folgenden Gründen dazu entschieden, das „Konzept Flexibler Schulanfangang“  an der Salzbödetal-Schule zu praktizieren: 

Viele Untersuchungen haben nachgewiesen, dass Kinder mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten in die Schule kommen, dass sie auf unterschiedlichen Wegen und in unterschiedlichem Tempo lernen. Die heterogenen Lernvoraussetzungen der Schulanfänger machen ein hoch differenziertes Lernangebot zum Schulbeginn erforderlich – was nach unserer Überzeugung und Erfahrung am besten in einer jahrgangsgemischten Lerngruppe geschehen kann. Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit in einer solchen jahrgangsübergreifenden Eingangsklasse ist, dass die Heterogenität der Kinder, die Unterschiedlichkeit ihrer Persönlichkeiten, ihrer Entwicklungsprozesse und ihrer Lernmotivation nicht als Belastung, sondern als Bereicherung für das Zusammenleben und das Lernklima verstanden und als gegenseitige Lernanregung genutzt wird.

Wenn der Unterricht in einer altersgemischten Lerngruppe individualisiert und differenziert gestaltet wird, kann die individuelle Lernausgangslage besser berücksichtigt werden als in einer Jahrgangsklasse. Die Kinder können verschiedene Lernwege einschlagen, ihr eigenes Lerntempo finden und insgesamt ihre Lernprozesse selbstständiger gestalten. So wird eine Unter- oder Überforderung eher vermieden.

Da die Schüler zur selben Zeit an unterschiedlichen Aufgaben arbeiten und sich auf unterschiedlichen Fertigkeitsniveaus befinden, führt dies zu vermehrten kognitiven Anstößen und Interessenangeboten. „Beiläufiges“ Lernen geschieht ständig.

Die Kinder gehen informelle Lernpartnerschaften ein. Die jüngeren Kinder sehen in den älteren ein Vorbild; sie wollen ihnen nacheifern. Auf Grund dieser Situation trauen sich die jüngeren Kinder oft mehr zu, experimentieren mit anderen Aufgabenstellungen und lernen so ihre Grenzen und ihr Können besser kennen und einschätzen. Die älteren Kinder wiederum vertiefen ihr Wissen, indem sie es an jüngere weitergeben und den Lernstoff noch einmal in ihren eigenen Worten erklären. Auch leistungsschwächere Kinder haben hier die Möglichkeit, ihr spezielles Wissen den jüngeren zu vermitteln, was sich auf ihren eigenen Lernprozess oft positiv auswirkt.

Von der Möglichkeit der flexiblen Verweildauer profitieren sowohl leistungs-schwächere als auch leistungsstarke Kinder. Kinder mit Entwicklungsrückständen können in der Lerngruppe verweilen (was nach außen hin weniger offensichtlich ist als der Besuch einer Vorklasse); sie werden weiterhin von den ihnen bekannten Lehrerinnen unterrichtet und ihrem Lernniveau entsprechend gefördert. Kinder mit Entwicklungsvorsprüngen haben wiederum die Chance, Schulzeit um ein halbes Jahr oder um ein Jahr zu verkürzen, ohne ihre Sozialkontakte zu verlieren, weil sie mit einer festen Gruppe von Klassenkameraden ins 3. Schuljahr wechseln.

Die Entscheidung über die Verweildauer kann bis zum Ende der Schuleingangsphase hinausgeschoben werden;sie ist fundiert, weil sie am aktuellen Leistungsstand des Kindes überprüft und von einem Team aus zwei Lehrerinnen und der Sozialpädagogin getroffen wird.

Zusammenfassend sehen wir durch die Arbeit in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen folgende Lern- und Entwicklungschancen für die Kinder:

Vermehrte, vielfältige Impulse für die kognitive Entwicklung

  • „beiläufiges“ Lernen
  • Lernen im individuellen Tempo
  • Lernen als sinnvoll wahrnehmen durch individuell angepasste
  • Übungsangebote  (vertiefende Übungsaufgaben bzw. Wegfall von überflüssigen Übungen)
  • breites Spektrum an Lerninhalten
  • Möglichkeiten der Verkürzung von Lernzeit
  • Möglichkeiten der Wissensvertiefung

höhere soziale Kompetenz

  • Toleranz gegenüber anderen
  • Erweiterung und Förderung der sozialen Wahrnehmung und Erfahrung
  • Kooperation statt Konkurrenz durch Mit- und Voneinander lernen
  • Möglichkeit, festgefahrene Beziehungsstrukturen durch die halbjährlich wechselnde Gruppenzusammensetzung immer wieder aufzubrechen
  • Erfahrung von Anerkennung und Selbstbestätigung in der Helferrolle
  • Förderung des Gemeinschaftssinns

größere Selbstständigkeit

  • Entwicklung emotionaler Stabilität
  • Entwicklung von Arbeitsorganisation und -zeiteinteilung
  • Entwicklung von Verantwortungs- und Pflichtbewusstsein

höhere Lern- und Arbeitsmotivation

  • selbstbestimmtes Lernen
  • Erreichung der Lernziele auf individuellen Lernwegen
  • Interessen, Neigungen und Stärken ausbilden
  • Lernstoffe in Zusammenhängen erschließen

individuelle Förderung bei Entwicklungsverzögerungen in den Bereichen  von Konzentration, Wahrnehmung und Motorik

  • persönliche Zuwendung durch die Sozialpädagogin als Vertrauensperson (besonders wichtig für benachteiligte Schüler)
  • Hilfe im emotionalen Bereich
  • Stärkung des Selbstwertgefühls

Ausführlichere Informationen erhalten Sie in unserer Informationsbroschüren. Zum Download hier klicken:

Informationen zum Flexiblen Schulanfang

Häufige Fragen zum Flexiblen Schulanfang